Wenn die Tage kurz werden, steht schnell die Frage im Raum: noch reiten – oder lieber lassen? Die Antwort hängt nicht nur vom Wetter ab, sondern davon, wie gut du dich vorbereitest. Dunkelheit verändert Wahrnehmung, Orientierung und Reaktionen – bei dir und beim Pferd. Mit klarem Plan, guter Sichtbarkeit und ruhiger Arbeit bleibt das Training sicher und sinnvoll. Das Ziel ist nicht „Heldentaten im Dunkeln“, sondern Kontrolle, Übersicht und Vertrauen.
Was sich in der Dämmerung ändert – bei Mensch und Pferd
In der Dämmerung arbeitet das Auge anders: Kontraste verschwimmen, Entfernungen wirken ungenau, Bewegungen am Rand des Blickfelds schrecken leichter auf. Pferde sehen in der Dunkelheit grundsätzlich besser als wir, aber auch sie brauchen einen Moment, um sich umzustellen. Helles Licht – dunkler Weg – heller Parkplatz: Jeder Wechsel fordert das Nervensystem. Darum ist ein ruhiger Start so wichtig: ein paar Minuten Schritt am langen Zügel, Atem finden, ankommen. Du gibst Tempo und Richtung vor, dein Pferd darf die Umgebung in Ruhe „scannen“.
Vorbereitung, die wirklich zählt
Plane die Strecke so, dass du die heiklen Stellen kennst: enge Kurven, spiegelnde Pfützen, Rascheln im Gebüsch, Hofeinfahrten. Eine bekannte Runde reduziert Überraschungen. Prüfe den Untergrund: Nasser Laubteppich, glatte Pflastersteine oder gefrorener Boden sind tückisch – hier reduzierst du Tempo, bleibst geradeaus und vermeidest ruckartige Wendungen.
Zur Ausrüstung: Hohe Sichtbarkeit schlägt „schick“. Eine knackig reflektierende Weste für dich, reflektierende Gamaschen/Streichkappen und ein Brust- oder Schweifreflektor fürs Pferd sorgen dafür, dass Autos, Radler und Fußgänger euch früh wahrnehmen. Eine kleine, blendfreie Stirn- oder Cliplampe, die den Boden vor euch anleuchtet, hilft – aber bitte nicht ins Pferdeauge halten. Und: Ersatzbatterien gehören in die Jackentasche. Einen kompakten Überblick zu funktionalen Basics findest du hier: Die richtige Reitausrüstung.
- Reflektoren sitzen fest und sind sauber?
- Licht funktionsfähig, Ersatzbatterien dabei?
- Smartphone geladen, Standortfreigabe an eine Vertrauensperson?
- Hufe sauber, Beschlag/Schuhe geprüft?
Reiten im Dunkeln: ruhig, klar, berechenbar
Das beste Sicherheitsplus ist deine klare, ruhige Reitweise. Beginne mit längerem Schritt, baue anschließend kurze, einfache Aufgaben ein: gebogene Linien, große Zirkel, ein paar Übergänge Schritt–Trab–Schritt. Das hält Kopf und Körper beschäftigt, ohne zu überfordern. Verzichte auf „hektische“ Elemente wie schnelle Tempowechsel, enge Wendungen oder Sprünge. Wenn du merkst, dass dein Pferd anspannt (Kopf hoch, Atem kurz, Takt wackelt), brich die Aufgabe in kleinere Teile herunter und kehre zur Atmung und zum Schritt zurück. Hilfen bleiben fein, Stimme ruhig, Zügelverbindung elastisch. Für entspannten, mitgehenden Sitz und Übungen, die sofort helfen, findest du hier Anregungen: Entspannter Reitsitz – locker lassen, besser reiten.
Auf Wegen mit Verkehr gilt: Sichtbarkeit hoch, Geschwindigkeit runter, Kommunikation rauf. Nimm früh Blickkontakt zu Fahrern auf, signalisiere mit der Hand, wohin du willst, und bleib auf der „ruhigen“ Seite des Wegs. Wenn dir eine Stelle unsicher erscheint, steig ab und führe – das ist kein Rückschritt, sondern klug.
Wenn etwas Ungeplantes passiert
Ein Hund springt aus dem Gebüsch, eine Tür knallt zu, Scheinwerfer blenden: In der Dunkelheit erschrickt man leichter. Entscheidend ist der erste Moment. Atme aus, richte dich auf, gib eine einfache Aufgabe („Schritt – stehen – atmen – Schritt“) und lass Raum zum Vorwärtsgehen, statt zu blockieren. Vermeide ruckartige Zügelhilfen; eine ruhige Stimme hilft mehr. Fühlst du, dass die Spannung nicht sinkt, wechsle auf eine einfache, beleuchtete Strecke oder beende die Runde im Schritt. Sicherheit hat Vorrang.
- Standort teilen (Live-Tracking) + Notfallkontakt im Handy.
- Kleines Erste-Hilfe-Set (Pflaster, selbsthaftende Binde, Einmalhandschuhe).
- Reflektierendes Anbindeseil für kurzes Führen am Straßenrand.
Trainingseffekte, die du mitnehmen kannst
Reiten in der Dämmerung schult Konzentration, Gleichgewicht und das feine Zusammenspiel der Hilfen. Viele Pferde werden im abendlichen Rahmen aufmerksam, aber auch dankbar, wenn die Aufgaben klar und machbar sind. Nutze das für Losgelassenheit: große Linien, gleichmäßiger Takt, ruhige Übergänge. Vermeide „noch schnell“ und setze stattdessen ein bewusstes Ende: ein paar Runden Schritt, lockere Atmung, Lob. So gehst du mit einem guten Gefühl vom Platz – und dein Pferd verknüpft die abendliche Arbeit mit Sicherheit und Orientierung statt mit Stress.
Am Ende zählt: sehen, gesehen werden, in Verbindung bleiben. Gute Planung, klare Hilfen und sichtbare Ausrüstung machen aus dunklen Runden sinnvolle Trainingseinheiten, die euch als Team stärken. Und wenn der Bauch sagt „Heute nicht“ – dann ist das die richtige Entscheidung.
Ich komme zu dir im Großraum München, Freising und Dachau. Wir richten Ausrüstung, Strecke und Training so ein, dass du abends ruhig und sichtbar unterwegs bist.



